Ein großer DANK an alle rotmilanfreundlichen Betriebe! Denn Rotmilanschutz geht nicht ohne die Landnutzenden

Das Projekt Rotmilan – Land zum Leben ist nun schon in seinem letzten Projektjahr und bedankt sich herzlichst bei allen Landwirtinnen und Landwirten, Försterinnen und Förstern sowie weiteren Landnutzern, die sich im Rahmen des Projekts für den Schutz des Rotmilans eingesetzt haben!

Sie haben mit ihrer angepassten Bewirtschaftung auf den Feldern und dem Einrichten von Nestschutzzonen in den Wäldern und Gehölzen sowie dem Schutz von Brutbäumen ganz entscheidend dazu beigetragen, dass der Rotmilan mehr Land zum Leben findet.

Es ist nicht immer einfach, Naturschutz und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen. Anträge, die einen (zu) hohen bürokratischen Aufwand verursachen, sowie Probleme, die bei der Umsetzung von Maßnahmen und bei Kontrollen auftreten, führen oft zu mangelnder Akzeptanz und fordern das Durchhaltevermögen heraus. Daher schätzen wir es sehr, dass so viele Betriebe, die im Rahmen des Projekts beraten wurden, nicht aufgegeben haben, sondern dran geblieben sind!

Ein „guter Draht“ zu den Praxispartnern, den Beraterinnen und Beratern, war dabei sicherlich ausschlaggebend. Nur in einer vertrauensvollen und langfristigen Zusammenarbeit auf Augenhöhe können Naturschutzmaßnahmen gemeinsam gestaltet werden. Aber auch die finanzielle Ausstattung zur Maßnahmenumsetzung ist für eine effektive Beratung wichtig. Diese ist in vielen Bundesländern nicht (ausreichend) vorhanden, weshalb wir uns besonders bei den Betrieben bedanken, die Maßnahmen freiwillig und ohne Ausgleichszahlungen umgesetzt haben!

 

Rückblick

Das Projekt startete im Herbst 2013 mit dem Ziel, in neun Projektgebieten in sieben Bundesländern Maßnahmen für den Rotmilan umzusetzen. Der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn der Rotmilan ist ein sogenannter „Offenlandjäger“, der insbesondere Grünland-, Mahd- und Ernteflächen sowie Brachen zur Nahrungssuche nutzt. Die Zeit der Jungenaufzucht (Mai bis Juli) scheint hier bezüglich der Nahrungsversorgung besonders kritisch zu sein, denn Kleinsäuger in Maisäckern oder dicht bestandenen Getreide- und Rapsfelder sind für den Rotmilan praktisch nicht erreichbar.

Sie und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen haben sogenannte rotmilanfreundliche Maßnahmen auf ihren Flächen umgesetzt. Passgenauigkeit in Ihre Betriebsabläufe ist hier ein sehr wichtiges Kriterium und wir sind im intensiven Austausch mit den zuständigen Behörden, um eine bessere Ausgestaltung der Agrarumweltmaßnahmen in Ihrem und im Sinne des Rotmilans zu erreichen.

 

Zusammenfassung der rotmilanfreundlichen Maßnahmen:

  • Anbau mehrjähriges Feldfutter wie Luzerne, Klee und Ackergras und deren greifvogelgerechte Bewirtschaftung (mindestens zweimalige Schnittnutzung von Mai bis Anfang Juli)
  • Anlage von Strukturelemente wie Buntbrachen, Schwarzbrachen, Grünstreifen, und mehrjährige Blühflächen/Blühstreifen
  • Umsetzung artenreicher Fruchtfolgen (mindestens 5 Kulturen, davon einmal kleinkörnige Leguminosen wie Klee, Luzerne, Klee-Gras-Gemische bei mindestens zweimalige Schnittnutzung mit Biomasseentzug zwischen Mai und Juli
  • Aufrechterhaltung der Grünlandbewirtschaftung durch Mehrfachschnittnutzung (alternativ Portionsweide) auf Wirtschaftsgrünland
  • extensive Grünlandbewirtschaftung durch Mahd und Beweidung auf naturschutzfachlich wertvollem Grünland
  • biotoptypenegerechte Bewirtschaftung der naturschutzfachlich wertvollen Dauergrünländer, insbesondere aller Grünlandähnlichen Kulturbiotope, die Lebensraumtypen darstellen

Eine unserer Ansicht nach besonders effektive Maßnahme zur Verbesserung des Nahrungsangebotes und der Nahrungsverfügbarkeit ist zum Beispiel der Anbau und die intensive Nutzung von Luzerne als mehrjährige Feldfutterpflanze. Mehrfachnutzung und geringe Vegetationshöhen nach der Ernte stellen sicher, dass Rotmilane die auf den Luzernefeldern lebenden Kleinsäuger erbeuten können – bzw. profitieren sie natürlich auch von den durch den Mahdvorgang getöteten Kleinsäugern, die sie oft schon während des Mähvorgangs gezielt suchen. Viele von Ihnen berichteten, dass sich die Luzerne insbesondere im Trockenjahr 2018 sehr bewährt hat. Durch ihre tiefen Wurzeln waren diese Flächen oft noch das einzige Grün in einer vertrockneten Feldflur. Um eine langfristig stabile Nahrungsverfügbarkeit zu erreichen, sind aber Rückzugsräume für Kleinsäuger wie Brachen, Blühflächen oder Schonstreifen auch sehr wichtig – und diese dienen gleichzeitig einer Vielzahl an weiteren Arten wie Singvögeln oder Insekten der Feldflur als Nahrungs- und Brutrevier.

 

Was wurde nun deutschlandweit in diesen sechs Projektjahren erreicht?

Auf 224.000 Hektar Kulturlandschaft wurden bisher 1.500 Rotmilanbruten dokumentiert und begleitet. In rund 4.000 Beratungen haben die Partner vor Ort Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, Kommunen und Fachbehörden zum praktischen Rotmilanschutz beraten. Dabei wurden jährlich durchschnittlich 13.000 Hektar rotmilanfreundlich bewirtschaftet. Zum Schutz der Nestbäume und Bruthabitate wurden insgesamt 1.300 Maßnahmen umgesetzt. An 435 Nestbäumen wurden Manschetten zum Schutz vor Nesträubern angebracht. Rund 870 Einzelmaßnahmen für störungsfreie Bruten, z.B. durch zeitliche Verschiebung forstwirtschaftlicher Aktivitäten oder dem Einrichten von Nestschutzzonen, wurden durchgeführt.

 

Was Ihnen durch Ihre Erfahrungen mit dem Rotmilan aus der täglichen Praxis vielleicht schon bekannt ist, wurde auch durch die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen belegt:

Rotmilane nutzen Flächen während und bis zu drei Tage nach der Mahd besonders intensiv, um Nahrungstiere zu erbeuten. Die Häufigkeit von Kleinsäugern auf den Flächen variierte von Jahr zu Jahr deutlich. Es konnte jedoch festgestellt werden, dass auf den Massnahmenflächen deutlich mehr Kleinsäuger vorkommen, als auf den Kontrollflächen. Jungvögel verschiedener Singvogelarten sind auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für den Rotmilan. Auch hier zeigte sich, dass auf den Maßnahmenflächen – insbesondere auf Flächen mehrjähriger Brachen – eine viel höhere Dichte von brütenden und /oder nahrungssuchenden Singvögeln festzustellen war, als auf den Kontrollflächen. Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse.

Welchen Effekt die Maßnahmen auf den Rotmilanbestand insgesamt haben, lässt sich trotz aller Untersuchungen nur schwer abschätzen. Dafür spielen noch zu viele weitere Faktoren wie beispielsweise menschengemachte und natürliche Sterblichkeit, Zu- und Abwanderung, eine Rolle. Für die im Projekt beratenen Maßnahmen lässt sich aber sagen, dass sie den Rotmilanen in Ihrer Region und mit ihm vielen weiteren Arten nutzen. Ihr Beitrag hilft dem Rotmilan!

 

Das gesamte Projektteam bedankt sich bei Ihnen und wünscht Ihnen und „Ihren“ lokalen Rotmilanen ein gutes Miteinander auch in der Zukunft!

Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL): Gesamtkoordination

Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V. (DDA): wissenschaftliches Monitoring

Deutsche Wildtier Stiftung: Öffentlichkeitsarbeit

Biologische Station Rhein-Berg: Praxisregion Nordrhein-Westfalen

Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V.: Praxisregion Niedersachsen

Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V.: Praxisregion Thüringen

Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e.V. und Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz e.V.: Praxisregionen Sachsen

Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide e.V.: Praxisregion Brandenburg

Landschaftspflegeverbände Sternberger Endmoränengebiet e.V. und Mecklenburger Endmoräne e.V.: Praxisregionen Mecklenburg-Vorpommern

Schrobach Stiftung: Praxisregion Schleswig-Holstein