Der Rotmilan im Steckbrief

Der Rotmilan ist im Gegensatz zu anderen Greifvögeln auch für Laien recht einfach zu erkennen. © Christian Gelpke

Merkmale

Der Rotmilan ist ein großer, eindrucksvoller Greifvogel. Sein rostrot gefärbtes Federkleid ist namensgebend und mit circa 65 cm Körpergröße ist er größer als der Mäusebussard. Sein Kopf ist hellgrau und er besitzt schwarze und weiße Federn auf der Unterseite. Einzigartig ist aber der tief gegabelte Schwanz, der ihn von allen anderen Greifvögeln unterscheidet. Daher wird der Rotmilan auch Gabelweihe genannt.

Seine Stimme kann man hier hören:

Verbreitung

Nur in Europa mit derzeit rund 25.200 – 33.400 Brutpaaren, davon mehr als die Hälfte in Deutschland.

Bestandsentwicklung

Der Rotmilanbestand in Deutschland hat seit den frühen 1990er Jahren bis heute deutlich abgenommen. Von 1988 bis 2016 war im Mittel ein Rückgang des gesamtdeutschen Bestands von 16,5 % zu verzeichnen. Monitoring-Daten zeigen allerdings, dass es deutliche regionale bzw. naturräumliche Unterschiede bei der Bestandsentwicklung gibt. So hat sich der Gesamtbestand in den letzten etwa 12 Jahren deutlich stabilisiert und vor allem in den Mittelgebirgsregionen und im Südwesten Deutschlands gab es positive Bestandsentwicklungen. Die Bestände im Norddeutschen Tiefland hingegen zeigen weiterhin Rückgänge und liegen deutlich unter dem Niveau der 1990er Jahre.

Lebensraum

Strukturreiche Offenlandschaften mit einem Wechsel aus

  • Landwirtschaftsflächen mit Acker und Grünland
  • Wäldern und Feldgehölzen und
  • Siedlungsraum

Nahrung

Der Rotmilan ist ein Greifvogel, der seine Nahrung im Jagdflug erbeutet und Aas einsammelt. Als Nahrungsopportunist hat er ein breites Nahrungsspektrum und frisst das, was er kriegen kann. Die Anteile der Beutetiere können sich je nach Region unterscheiden. Wichtige Nahrungskomponenten sind

  • Kleinsäuger jeglicher Art (Mäuse, Maulwürfe, Feldhamster, Junghasen u.a., besonders als Mahdopfer)
  • Aas und Abfälle (sogar Knochen)
  • Kleinvögel
  • andere Tiere wie Fische, Amphibien, Regenwürmer

Beispiel der Beutezusammensetzung (Gewichtsanteile) aus 24 gefilmten Rotmilanbruten in Niedersachsen:

Quelle:  Bischofberger, I. et al. (2019)

Oft sieht man Rotmilane über Straßen kreisen, wo sie überfahrene Tiere auflesen. Auch im Sommer kann man auf frisch gemähten Wiesen und Feldern ab und an Milane beobachten, die auf der Suche nach Mäusen und anderen Kleintieren sind.

Rotmilan greift Beutetier © Ingo Waschkies

Rotmilan greift Beutetier

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Rotmilane sind ihrem Partner in der Regel über Jahre treu. Auch wenn sie den Winter nicht gemeinsam verbracht haben, treffen sich Weibchen und Männchen am Ende des Winters im Revier wieder. Die gleich danach beginnende Balz mit gemeinsamen Flügen, Futterübergaben vom Männchen ans Weibchen und schließlich dem Ausbau des Nests stimmt die Part-ner auf die Brutphase ein. Zur Brut benötigen die Paare Bäume ausreichender Höhe zum Nestbau. Brutplatzwechsel sind häufig, weswegen mehrere Nester angelegt und sogar im Wechsel mit anderen Arten genutzt werden. Meist brüten sie am Rand von Wäldern oder in Gehölzinseln, nur selten tief im Wald.

Eine Besonderheit des Rotmilans sind seine unordentlichen Nester, denn Rotmilane lieben es, ihr Nest mit allerlei Fundstücken auszustatten! Vogelkundler fanden neben Plastiktüten, Unterwäsche, Arbeitshandschuhen und Tennisbällen sogar Plüschtiere, die ins Nest eingebaut wurden. Warum die Tiere dieses Verhalten zeigen, ist noch immer unbekannt.

Die ersten Rotmilane legen ab Ende März zwei bis drei Eier. Nach ca. 30 Tagen Bebrütung durch das Weibchen schlüpfen die Küken, die bei guter Versorgung rasant wachsen, 50 Tage nach dem Schlupf flügge sind und das Nest verlassen. Den Großteil der Fütterung von Weibchen und Küken übernimmt das Männchen. Erst später beteiligt sich auch das Weibchen an der Jagd. Daher steht und fällt der Bruterfolg von Rotmilanen mit der Nahrungsversorgung.

Ein Rotmilan brütet im Horst. Zweifelsfrei ist der Rotmilan am langen Gabelschwanz zu erkennen, der sogar über den Rand des Nestes hinausragt. © Christian Gelpke

Rotmilan Horst mit Schwanzspitze Christian Gelpke

Typisches Verhalten

  • Die Nester werden weithin sichtbar mit Lumpen, Papier und Plastikresten „geschmückt“
  • Rotmilane sammeln Nahrung oft auf frisch gemähten Feldern
  • Zur Zugzeit und im Winterquartier, wenn sie kein Revier verteidigen müssen, sind Rotmilane gesellig
    und bilden Schlafplatzgemeinschaften mit bis zu mehreren hundert Individuen

Rotmilan-Fakten

Lateinischer NameMilvus milvus
Alterbis zu 34 Jahre
NahrungKleinsäuger, Aas, Vögel, Wirbellose, Amphibien
FeindeUhu, Habicht, Baummarder, Waschbär
Größe60–70 cm
Flügelspannweite150–175 cm
GewichtMännchen: 800–1200 g
Weibchen: 900–1400 g
Enger VerwandterSchwarzmilan