Auszeichnungen 2018 für rotmilanfreundliche Land- und Forstwirtschaft

In 2018 haben sieben Landwirtschaftsbetriebe und ein Forstbetrieb die Auszeichnung „Rotmilanfreundlicher Betrieb“ erhalten, herzlichen Glückwunsch!

Seit letztem Jahr zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben einmal jährlich Land- und Forstbetriebe, Waldeigentümer, Kommunen oder Landkreise aus, die sich mit besonderen Leistungen zum Schutz des Rotmilans einsetzen. Die diesjährigen Preisträger kommen aus Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen:

Traupe GbR, Niedersachsen

Die Traupe GbR ist seit Beginn des Rotmilanprojektes im Landkreis Göttingen mit von der Partie. Der konventionelle Milchviehbetrieb baut Luzerne an, die als Grünfutter für die rund 200 Milchkühe dient und durch mehrfaches Mähen im Frühsommer dem Rotmilan bei der Nahrungssuche zu Gute kommt. Der Betriebsleiter trägt als Multiplikator im besonderen Maße dazu bei, dass der Anbau von Luzerne auch über die Agrarumweltmaßnahmen hinaus, Interesse und Eingang in weitere ähnlich wirtschaftende Betriebe in der Region findet.
Das Göttinger Tageblatt berichtete: Auszeichnung für Schutzprojekt (23.10.2018).

Niedersächsische Landesforsten

Die Niedersächsischen Landesforsten haben sich von Beginn an bereit erklärt, im Rotmilanprojekt aktiv mitzuwirken, um in den Forsten und auch den Genossenschaftswäldern, die sie betreuen, einen störungsfreien Brutverlauf für den Rotmilan zu gewährleisten. Seit 2016 werden Nestschutzzonen in einem Umkreis von 100 Metern um die Horste eingerichtet, in denen zur Brutzeit keine Waldarbeiten ausgeführt werden. Nachdem in 2014 noch zwei Störungsfälle in den Landesforsten registriert wurden, konnten seit Umsetzung der Schutzmaßnahmen keine Störungen mehr festgestellt werden.
Der Harzkurier berichtete: Rotmilan-Bestand in Südniedersachsen ist stabil (5.11.2018).

Landwirtschaftsbetrieb Domanja, Sachsen

Der Familienbetrieb Domanja ist einer der größten in der Region Hoyerswerda, der auf einem Drittel seiner Fläche ökologisch nach EU-Richtlinien wirtschaftet. Auf Bio-Aroniaflächen werden bereits seit 2012 zwischen den Strauchreihen Luzerne als Futterpflanze angebaut. Durch die häufige Mahd der Flächen haben Greifvögel wie der Rotmilan ungehinderten Zugriff auf Kleinsäuger. Der Betrieb verzichtet schon immer auf Rodentizide (Nagergifte), ist den Belangen des Naturschutzes sehr aufgeschlossen und baut seine naturschutzorientierte Bewirtschaftungsform stetig aus.
Die sorbische Zeitung Serbske Nowiny berichtete (8.11.2018).

AG e.G. Hohenprießnitz, Sachsen

Die Agrargenossenschaft Hohenprießnitz ist ein langjähriger Partnerbetrieb des Landschaftspflegeverbands Nordwestsachsen und bewirtschaftet Flächen in der Eilenburger und Bad Dübener Region. Neben ihrem Kerngeschäft Ackerbau und Viehzucht engagiert sie sich auf vielfältige Weise für die Natur. Seit über zehn Jahren werden auf über 150 Hektar Luzerne als Zwischenfrucht angebaut sowie ausgedehnte Weide- und Brachflächen angelegt, die als Nahrungsflächen für den Rotmilan besonders wertvoll sind. Aber auch in Sachen Nestschutz ist die Agrargenossenschaft aktiv und beteiligt sich am Umbau einer Pappelallee. Auf etwa einem Kilometer wurden altersschwache Bäume beseitigt und an deren Stelle neue gepflanzt. Die schnell wachsenden Pappeln dienen dem Rotmilan bereits in einigen Jahren als Nestbäume.   
Die Leipziger Volkszeitung berichtete: Auszeichnung für Agrargenossenschaft Hohenprießnitz (18.11.2018).

Randow Welse GmbH, Brandenburg

Die Randow Welse GmbH & Co. Agrarproduktions KG ist seit 2016 Partner im Projekt und setzt auf drei Standorten rotmilanfördernde Maßnahmen um. In Kooperation mit einem Schweinehalter wurden einige Hektare Luzerne angebaut und die Fläche konnte in diesem Jahr vergrößert werden. Des Weiteren hat sich der Betrieb bereit erklärt, auf drei weiteren Standorten knapp zehn Hektar Brachen in Selbstbegrünung anzulegen. Der Betriebsleiter Herr Preuß ist sehr kooperativ, macht eigene Vorschläge zur Umsetzung von Maßnahmen und bietet weitere Flächen an.

Landhöfe Kargow-Waren GmbH, Mecklenburg-Vorpommern

Die Landhöfe Kargow-Waren GmbH ist ein Öko-Betrieb, der an den Müritz-Nationalpark angrenzt, und seit Beginn des Projektes aktiv mit dem Projektpartner Landschaftspflegeverband Mecklenburger Endmoräne e.V. zusammenarbeitet. Der Betrieb ist außerdem Teil des Projekts „Landwirtschaft für die Artenvielfalt“ und setzt zahlreiche Naturschutzmaßnahmen um, die nicht nur dem Rotmilan zu Gute kommen. Etwa 2/3 der Gesamtfläche ist Grünland, das nicht gedüngt und mit geringer Tierdichte beweidet wird.  Maßnahmen speziell für den Rotmilan sind u.a. der Anbau von Luzerne und Kleegras sowie die Anlage von Brachflächen. Der Betrieb führt regelmäßig Betriebsführungen für Bioparkmitglieder durch, in dessen Rahmen auch über das Rotmilanprojekt berichtet wird.

Kattendorfer Hof, Schleswig-Holstein

Der Kattendorfer Hof der Betriebsgemeinschaft Demeter Kreise Stormarn und Segeberg hat sich über die gesamte Laufzeit an der Pilotmaßnahme des Landes „Etablierung angepasst bewirtschafteter Kleegrasflächen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für den Rotmilan“ mit vielen Flächen beteiligt. Als 2015 aus der Pilotmaßnahme die Agrarumweltmaßnahme „Kleinteiligkeit im Ackerbau“ wurde, hat der Betrieb sich mit weiteren Flächen auch an dieser beteiligt. Der Kattendorfer Hof hat im Laufe der Projektlaufzeit immer wieder auf Eigeninitiative Betriebsflächen für das Rotmilanprojekt ins Gespräch gebracht. Im betriebseigenen Hofladen wird das Infomaterial über Rotmilan – Land zum Leben ausgelegt und das Projekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Landwirtschaftsbetrieb Thomas Kürsten, Thüringen

Der Landwirtschaftsbetrieb setzt sich mit verschiedenen rotmilanfreundlichen Anbaukulturen für den Schutz des Greifvogels ein, indem er beispielsweise Sommer- statt Wintergetreide anbaut. Die Weiden werden mit der gestaffelten Mahd so bearbeitet, dass sie dem Rotmilan über einen längeren Zeitraum Nahrungsflächen bieten. In unmittelbarer Nähe zum Betrieb befinden sich jedes Jahr drei bis vier Rotmilannester mit erfolgreichen Bruten und Thomas Kürsten hat großes Interesse daran, „seine“ Rotmilane zu schützen und gibt mit Begeisterung sein Wissen über die die Greifvögel weiter.

Foto: Andreas und Arne Traupe, Forstamtsleiter Axel Pampe, Ramona Bayoh und Ute Grothey vom LPV Landkreis Göttingen mit Kuh Sonja. © Niklas Richter

Rotmilan-Expertentreffen 2018

Am 7. November 2018 lud das Projekt Rotmilan – Land zum Leben bereits zum dritten Mal zum bundesweiten Treffen der Rotmilanexperten und –akteure nach Weimar ein. Im Rahmen dieser Tagesveranstaltung wurden die Teilnehmer über die wichtigsten Ergebnisse des Projektjahres 2018 aus dem bundesweiten Rotmilanprojekt informiert.

Gleichzeitig wurde im Rahmen des Treffens  das Thema Telemetrie in den Mittelpunkt gestellt, um zu diskutieren, inwieweit Telemetrieergebnisse zur Aufklärung der Nahrungshabitatwahl im Verlauf einer Brutsaison beitragen. Die Präsentation der Ergebnissen und Erfahrungen aus weiteren Rotmilanprojekten in Deutschland und der Schweiz trugen zur einer inspirierenden Diskussion bei und bestätigten u.a. die Projektergebnisse. Mehr zu den Inhalten gibt es hier.

Vorträge

  1. Aktuelle Projektergebnisse 2018 Rotmilan – Land zum Leben – Uwe Lerch, DVL
  2. Ursachenforschung mittels Telemetrie. Warum verändert sich die Habitatwahl des Rotmilans? – Martin Kolbe, Rotmilanzentrum Sachsen-Anhalt
  3. Welche Landnutzungstypen bevorzugen die besenderten Rotmilane in den Projektgebieten Göttingen, Weimar und Nordsachsen während der Brutzeit? – Jakob Katzenberger, DDA
  4. Ein Opportunist im Aufwind – Hintergründe zur Populationsentwicklung der Rotmilane in der Schweiz – Patrick Scherler, Schweizerische Vogelschutzwarte
  5. Die Kombination von Telemetrie- und Videodaten besenderter Rotmilane Göttingen – Dr. Eckhard Gottschalk, Georg-August-Universität Göttingen
  6. Ressourcennutzung von Rotmilanen in Raum und Zeit – Sascha Rösner, Philipps-Universität Marburg
  7. Ergebnisse telemetrierter Rotmilane im Weimarer Land – Thomas Pfeiffer

 

 

Land zum Leben im TV! Mit dem ausgezeichneten Betrieb „Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH“ aus Sachsen

Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH (Sorabia Agrar AG) in der Oberlausitz wurde Anfang des Jahres für ihre rotmilanfördernde Wirtschaftsweise durch das Projekt mit einer Urkunde geehrt.

Der MDR Sachsen sendete diesen Monat einen vierminütigen Beitrag über das Engagement der Rosenthaler Landwirte in der Sendung „Wuhladko“ (ab Minute 18:35).

Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH zeichnet sich durch eine naturschutzorientierte Betriebsführung aus und setzt eine Reihe von Agrarumweltmaßnahmen um. Seit mehr als 15 Jahren werden u.a. auf etwa 30 Hektar Luzerne angebaut, die nach und nach gemäht werden. So finden Rotmilane und andere Greifvögel über mehrere Wochen Nahrung auf den Feldern. Der Betrieb kooperiert seit Beginn des Rotmilanprojekts 2014 mit dem Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz und engagiert sich mit Maßnahmenvorschlägen und Aktionen.

Rotmilan–Land zum Leben beim Tag der offenen Tür im Bundesumweltministerium

Am 25. und 26. August 2018 lud die Bundesregierung zum Tag der offenen Tür ein und ermöglichte damit einen Blick hinter die Kulissen. Rotmilan–Land zum Leben war mit einem Stand im Bundesumweltministerium vertreten und präsentierte Deutschlands heimlichen Wappenvogel und das Verbundprojekt. Auch Umweltministerin Svenja Schulze schaute vorbei, um sich zu informieren. Samstagnachmittag stellte Uwe Lerch, der fachlicher Koordinator, das Projekt auf der Bühne vor im Rahmen eines Ausstellertalks  zusammen mit dem Bauernverband und der Deutschen IPBES Koordinierungsstelle.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interesse der zahlreichen Besucher an unserem Stand, die vielen guten Gespräche und Raterunden bei dem beliebten Quiz „Wer wird Milanonär“!

Erfolge aus der Praxisregion Bergisches Land

Die Biologischen Stationen Oberberg und Rhein-Berg sind unsere Projektpartner in der Region Bergisches Land.

In der aktuellen Ausgabe der „Natur in NRW“ des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen wird ab Seite 37 ausführlich über die Arbeit in der Praxisregion und die Brutbestandsentwicklung des Rotmilans im Bergischen Land berichtet.

Neben der Beratung zu Nestschutzmaßnahmen ist die Erfassung der Brutpaare und Jungvögel Schwerpunkt der Projektarbeit in NRW. Der Brutbestand im Bergischen Land ist vergleichsweise hoch. Nach Eichen sind Buchen die beliebtesten Brutbäume. Totholz in unmittelbarer Umgebung scheint ein Faktor für die Auswahl des Nestbaumes zu sein.
In der grünlanddominierten bergischen Kulturlandschaft herrscht ein gutes Nahrungsangebot für den Rotmilan. Für den Nestbau geeignete Altholzbestände im Waldrandbereich sind jedoch eher selten. Zudem kommt es aufgrund von Störungen immer wieder zu Brutaufgaben. Der Schwerpunkt der praktischen Maßnahmen liegt auf dem Schutz der Nester sowie der Sensibilisierung und Beratung von Waldbewirtschaftern. Dazu werden Nestschutzzonen, kleinräumig eingerichtete Gebiete, die dem Schutz der Rotmilane während der Brut und Jungenaufzucht dienen, eingerichtet.

Betrieb Wolfgang Holz aus Schleswig-Holstein für sein Engagement für den Rotmilan geehrt

Der Bio-Milchviehbetrieb von Wolfgang Holz aus Schleswig-Holstein hat die Auszeichnung für seine rotmilanfreundliche Bewirtschaftung erhalten. Die Urkunde wurde dem Betrieb von unserem Praxispartner Christoph Gasse im Rahmen einer Gesellschafterversammlung der Bauernmeierei Hamfelder Hof überreicht.
Herzogtum direkt und die Lübecker Nachrichten Online berichteten.

Der Betrieb beteiligt sich seit Beginn des Projekts mit der Pilotmaßnahme des Landes Schleswig-Holsteins, welche mit Hilfe angepasster bewirtschafteter Kleegrasflächen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für den Rotmilan beitragen soll. Aber  auch weitere Agrarumweltmaßnahmen, die dem Rotmilan zu Gute kommen, werden umgesetzt. Der ökologisch wirtschaftende Milchviehbetrieb beliefert die benachbarte Hamfelder Molkerei und hat bei der Bewirtschaftung seiner Flächen im wahrsten Sinne des Wortes den Rotmilan immer im Blick, da ganz in der Nähe ein Rotmilanpaar brütet.

Die Familie Holz bewirtschaftet mit drei Generationen im Nebenerwerb ihre Flächen immer unter dem Motto „Mit der Natur und für die Natur wirtschaften“ und hat das Projekt Rotmilan – Land zum Leben durch ihre große Kooperationsbereitschaft sehr unterstützt.

Seit 2017 zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben einmal pro Jahr Land- und Forstbetriebe, Waldeigentümer, Kommunen oder Landkreise aus, die sich mit besonderen Leistungen zum Schutz des Rotmilans einsetzen. Für 2017  fiel die Auswahl auf sechs Landwirtschaftsbetriebe und einen Forstbetrieb in fünf Bundesländern.

 

Foto: Christoph Gasse (Schrobach-Stiftung), Wolfgang Holz (ausgezeichneter Betrieb) und Janosch Raymann (Geschäftsführer Bauernmeierei Hamfelder Hof). Quelle: hfr

 

 

 

Rotmilan–Land zum Leben auf der HanseBird Messe

Vom 23. bis 24. Juni lädt der NABU Hamburg traditionell zur HanseBird ein, dem Vogelfestival des Nordens. Auf dem Gelände der Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe können sich Vogelbeobachter, Naturliebhaber und Fotografen auf zwei abwechslungsreiche Tage freuen. Die Messe mit mehr als 30 Ausstellern wird von einem attraktiven Rahmenprogramm begleitet. Neben Vorträgen von hochkarätigen Referenten aus Ornithologie und Naturfotografie, ergänzen Führungen und Workshops das Angebotsspektrum. Das abwechslungsreiche Programm bietet sowohl Einsteigern als auch Fachleuten jede Menge Highlights und Möglichkeiten, sich auszutauschen.

Auch der DDA ist wie gewohnt mit einem Stand und Vortrag vertreten. Am Samstag, den 23.6. um 17 Uhr wird Christopher König Einblicke in das Leben der Rotmilane geben und das Projekt Rotmilan – Land zum Leben vorstellen, insbesondere die neuesten Ergebnisse zum Raumnutzungsverhalten der besenderten Vögel.