Rotmilan–Land zum Leben beim Tag der offenen Tür im Bundesumweltministerium

Am 25. und 26. August 2018 lud die Bundesregierung zum Tag der offenen Tür ein und ermöglichte damit einen Blick hinter die Kulissen. Rotmilan–Land zum Leben war mit einem Stand im Bundesumweltministerium vertreten und präsentierte Deutschlands heimlichen Wappenvogel und das Verbundprojekt. Auch Umweltministerin Svenja Schulze schaute vorbei, um sich zu informieren. Samstagnachmittag stellte Uwe Lerch, der fachlicher Koordinator, das Projekt auf der Bühne vor im Rahmen eines Ausstellertalks  zusammen mit dem Bauernverband und der Deutschen IPBES Koordinierungsstelle.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interesse der zahlreichen Besucher an unserem Stand, die vielen guten Gespräche und Raterunden bei dem beliebten Quiz „Wer wird Milanonär“!

Erfolge aus der Praxisregion Bergisches Land

Die Biologischen Stationen Oberberg und Rhein-Berg sind unsere Projektpartner in der Region Bergisches Land.

In der aktuellen Ausgabe der „Natur in NRW“ des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen wird ab Seite 37 ausführlich über die Arbeit in der Praxisregion und die Brutbestandsentwicklung des Rotmilans im Bergischen Land berichtet.

Neben der Beratung zu Nestschutzmaßnahmen ist die Erfassung der Brutpaare und Jungvögel Schwerpunkt der Projektarbeit in NRW. Der Brutbestand im Bergischen Land ist vergleichsweise hoch. Nach Eichen sind Buchen die beliebtesten Brutbäume. Totholz in unmittelbarer Umgebung scheint ein Faktor für die Auswahl des Nestbaumes zu sein.
In der grünlanddominierten bergischen Kulturlandschaft herrscht ein gutes Nahrungsangebot für den Rotmilan. Für den Nestbau geeignete Altholzbestände im Waldrandbereich sind jedoch eher selten. Zudem kommt es aufgrund von Störungen immer wieder zu Brutaufgaben. Der Schwerpunkt der praktischen Maßnahmen liegt auf dem Schutz der Nester sowie der Sensibilisierung und Beratung von Waldbewirtschaftern. Dazu werden Nestschutzzonen, kleinräumig eingerichtete Gebiete, die dem Schutz der Rotmilane während der Brut und Jungenaufzucht dienen, eingerichtet.

Betrieb Wolfgang Holz aus Schleswig-Holstein für sein Engagement für den Rotmilan geehrt

Der Bio-Milchviehbetrieb von Wolfgang Holz aus Schleswig-Holstein hat die Auszeichnung für seine rotmilanfreundliche Bewirtschaftung erhalten. Die Urkunde wurde dem Betrieb von unserem Praxispartner Christoph Gasse im Rahmen einer Gesellschafterversammlung der Bauernmeierei Hamfelder Hof überreicht.
Herzogtum direkt und die Lübecker Nachrichten Online berichteten.

Der Betrieb beteiligt sich seit Beginn des Projekts mit der Pilotmaßnahme des Landes Schleswig-Holsteins, welche mit Hilfe angepasster bewirtschafteter Kleegrasflächen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für den Rotmilan beitragen soll. Aber  auch weitere Agrarumweltmaßnahmen, die dem Rotmilan zu Gute kommen, werden umgesetzt. Der ökologisch wirtschaftende Milchviehbetrieb beliefert die benachbarte Hamfelder Molkerei und hat bei der Bewirtschaftung seiner Flächen im wahrsten Sinne des Wortes den Rotmilan immer im Blick, da ganz in der Nähe ein Rotmilanpaar brütet.

Die Familie Holz bewirtschaftet mit drei Generationen im Nebenerwerb ihre Flächen immer unter dem Motto „Mit der Natur und für die Natur wirtschaften“ und hat das Projekt Rotmilan – Land zum Leben durch ihre große Kooperationsbereitschaft sehr unterstützt.

Seit 2017 zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben einmal pro Jahr Land- und Forstbetriebe, Waldeigentümer, Kommunen oder Landkreise aus, die sich mit besonderen Leistungen zum Schutz des Rotmilans einsetzen. Für 2017  fiel die Auswahl auf sechs Landwirtschaftsbetriebe und einen Forstbetrieb in fünf Bundesländern.

 

Foto: Christoph Gasse (Schrobach-Stiftung), Wolfgang Holz (ausgezeichneter Betrieb) und Janosch Raymann (Geschäftsführer Bauernmeierei Hamfelder Hof). Quelle: hfr

 

 

 

Rotmilan–Land zum Leben auf der HanseBird Messe

Vom 23. bis 24. Juni lädt der NABU Hamburg traditionell zur HanseBird ein, dem Vogelfestival des Nordens. Auf dem Gelände der Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe können sich Vogelbeobachter, Naturliebhaber und Fotografen auf zwei abwechslungsreiche Tage freuen. Die Messe mit mehr als 30 Ausstellern wird von einem attraktiven Rahmenprogramm begleitet. Neben Vorträgen von hochkarätigen Referenten aus Ornithologie und Naturfotografie, ergänzen Führungen und Workshops das Angebotsspektrum. Das abwechslungsreiche Programm bietet sowohl Einsteigern als auch Fachleuten jede Menge Highlights und Möglichkeiten, sich auszutauschen.

Auch der DDA ist wie gewohnt mit einem Stand und Vortrag vertreten. Am Samstag, den 23.6. um 17 Uhr wird Christopher König Einblicke in das Leben der Rotmilane geben und das Projekt Rotmilan – Land zum Leben vorstellen, insbesondere die neuesten Ergebnisse zum Raumnutzungsverhalten der besenderten Vögel.

Was steuert den Bruterfolg beim Rotmilan?

Neue Ergebnisse aus dem Projekt in DER FALKE

Unter Koordination des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) ist ein großes Team von Rotmilanexpertinnen und -experten aus ganz Deutschland an der wissenschaftlichen Arbeit im Projekt Rotmilan–Land zum Leben beteiligt. In den letzten vier Jahren konnten umfangreiche Daten zum Verhalten und zur Raumnutzung einzelner Rotmilane sowie zu Nahrungsangebot und -verfügbarkeit gesammelt und ausgewertet werden. In Modellierungen zum Bruterfolg sind Daten von 603 Bruten und der Landnutzung in einem 2-km-Radius um das jeweilige Nest eingeflossen. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift DER FALKE 06/2018 veröffentlicht.

Folgende Faktoren beeinflussen den Bruterfolg:

1. Der Anteil dörflicher Siedlungen
Je höher der Anteil dörflicher Siedlungsfläche im Nestumfeld einzelner Milane ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Brut.

Unsere Untersuchungen mit besenderten Rotmilanen bestätigen, dass immer mehr Rotmilane auf der Nahrungssuche dörfliche Siedlungen anfliegen. Aus Videoaufnahmen mit Nestkameras wissen wir, dass die Vögel hier vor allem Singvögel erbeuten. Bei Rotmilanen, die im Grünland ihre Nahrung suchen, dominieren hingegen Kleinsäuger das Beutespektrum.

2. Die zur Brutzeit herrschende Witterung
Erhöhter Niederschlag an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen kann zu Brutverlusten führen.

3. Die landwirtschaftliche Nutzung
Das Vorhandensein von Grünland hat einen stark positiven Einfluss auf den Bruterfolg, auch Feldfutterflächen zeigen einen positiven Effekt.

Auf extensivem Grünland, Feldfutterflächen, Brachen oder Blühstreifen (Maßnahmenflächen) sind mehr Beutetiere (Kleinsäuger und Singvögel) vorhanden als auf Wintergetreide und intensivem Grünland (Kontrollflächen).

Der Mahdzeitpunkt ist entscheidend: Während der Mahd waren sowohl Feldfutter und extensives Grünland als auch intensives Grünland für Rotmilane attraktiv, da die dort bei der Bearbeitung getöteten Kleinsäuger eine leichte Beute darstellen. Rotmilane nutzten diese Flächen am Tag der Mahd im Mittel 10- bis 20-mal öfter als Flächen ohne Bearbeitung.

 4. Die Vielfalt der Landschaft und Nahrungsverfügbarkeit im Nestumfeld
Rotmilanbruten in einem Nestumfeld, das sich durch eine geringere Vegetationsdeckung auf den Nutzflächen, eine hohe Anbauvielfalt sowie einen großen Anteil an Blühflächen und Brachen auszeichnet, haben deutlich häufiger zwei oder mehr flügge Jungvögel.

Rotmilan–Land zum Leben beim Bundesamt für Naturschutz

Diese Woche wurden DVL, DDA und DeWiSt vom Bundesamt für Naturschutz eingeladen, im Rahmen eines Kolloquiums den Mitarbeitenden das Projekt Rotmilan – Land zum Leben mit ersten Ergebnissen nach 4 Jahren Projektlaufzeit vorzustellen. Mit über 50 Interessenten war die Veranstaltung sehr gut besucht und es herrschte ein reger Austausch untereinander. Bernd Blümlein, stellv. Geschäftsführer des DVL, begann mit einer Einführung in das Projekt bevor Jakob Katzenberger vom DDA die wissenschaftlichen Ergebnisse vorstellte. Weiter ging es mit einem Vortrag von Uwe Lerch, dem fachlichen Koordinator, über die Akzeptanz und Kritik von rotmilanfördernden Agrarumweltmaßnahmen bei Landwirten sowie unsere daraus abgeleitete Forderungen für einen besseren Rotmilanschutz, die wir nun im Zuge der Umgestaltung der EU-Agrarpolitik an die Länder herantragen werden. Am Ende präsentierte Svenja Ganteför von der Deutschen Wildtier Stiftung die bundesweite Öffentlichkeitsarbeit im Projekt.

Ihr Einsatz hilft dem Rotmilan: Unsere ausgezeichneten Landwirte/innen in der Presse

Seit 2017 zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben einmal pro Jahr Land- und Forstbetriebe, Waldeigentümer, Kommunen oder Landkreise aus, die sich mit besonderen Leistungen zum Schutz des Rotmilans einsetzen. Für 2017  fiel die Auswahl auf sechs Landwirtschaftsbetriebe und einen Forstbetrieb in fünf Bundesländern. Folgende Betriebe haben bereits pressewirksam ihre Urkunde erhalten:

Die Agrargenossenschaft Hohenroda eG aus Sachsen in der Leipziger Volkzeitung und der Bauernzeitung:
Ausschlagend für die Auszeichnung des nordsächsischen Betriebs waren neben der langjährigen, engen Zusammenarbeit mit dem LPV Nordwestsachsen insbesondere zwei konkrete Maßnahmen: weitreichende Heckenpflanzungen auf den betriebseigenen Liegenschaften sowie der gezielte Luzerneanbau. „Die Heckenpflanzungen betreiben wir bereits seit vielen Jahren. Einerseits sehen wir dies als unseren natürlichen Beitrag zum Naturschutz, gleichzeitig ist es eine hilfreiche Maßnahme zur Flächeneingrenzung“, erklärt Reihe. Die dichten Pflanzenstreifen dienen jedoch nicht allein dem Erhalt des bedrohten Greifvogels, sondern allen wildlebenden Tieren im Umfeld entweder als Unterschlupf oder Jagdrevier, betont der Geschäftsführer: „Der Naturschutz ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und so versuchen wir im Arbeitsalltag, soweit es geht darauf Rücksicht zu nehmen.“ (Mehr)

Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH aus Sachsen in der Lausitzer Rundschau:
„Für uns gehört der Rotmilan einfach zu einer intakten Kulturlandschaft dazu. Wir freuen uns, wenn wir zu seinem Schutz beitragen können“, so Geschäftsführer Matej Koreng. (Mehr).
Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH zeichnet sich durch eine naturschutzorientierte Betriebsführung aus und setzt eine Reihe von Agrarumweltmaßnahmen um. Im Fokus steht der Luzerneanbau, aber auch ein angepasstes Mahdregime und einjährige Brachen werden zugunsten des Rotmilans umsetzt.

Heinrich Klingelhöfer und der Bouws Hof  aus Niedersachsen in der HNA Mündener Allgemeine, der LAND & Forst vom 12.4.2018 und im HarzKurier vom 11.4.2018:
Heinrich Klingelhöfer ist der Pionier der Rotmilanmaßnahme in Niedersachsen! Er hat maßgeblich an der Entwicklung der speziellen Agrarumweltmaßnahme für den Rotmilan in Niedersachsen beigetragen und seine wertvolle Pionierarbeit ist auch bis heute beispielgebend für viele andere Betriebe.

Der Bouws Hof bewirtschaftet einen Biobetrieb mit Pferde- und einer kleinen Mutterkuhhaltung und engagiert sich seit vielen Jahren für eine besonders umweltgerechte Bewirtschaftung der Flächen. Die komplette Betriebsfläche ist den Agrarumweltmaßnahmen und damit dem Naturschutz gewidmet. Dr. Heidi und Wilfried Bouws erzeugen Qualitätsheu aus mehrjährigem Feldfutter und sind damit ein Vorbild für andere Pferdehalter in der Region. (Mehr).