Rotmilan–Land zum Leben auf der HanseBird Messe

Vom 23. bis 24. Juni lädt der NABU Hamburg traditionell zur HanseBird ein, dem Vogelfestival des Nordens. Auf dem Gelände der Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe können sich Vogelbeobachter, Naturliebhaber und Fotografen auf zwei abwechslungsreiche Tage freuen. Die Messe mit mehr als 30 Ausstellern wird von einem attraktiven Rahmenprogramm begleitet. Neben Vorträgen von hochkarätigen Referenten aus Ornithologie und Naturfotografie, ergänzen Führungen und Workshops das Angebotsspektrum. Das abwechslungsreiche Programm bietet sowohl Einsteigern als auch Fachleuten jede Menge Highlights und Möglichkeiten, sich auszutauschen.

Auch der DDA ist wie gewohnt mit einem Stand und Vortrag vertreten. Am Samstag, den 23.6. um 17 Uhr wird Christopher König Einblicke in das Leben der Rotmilane geben und das Projekt Rotmilan – Land zum Leben vorstellen, insbesondere die neuesten Ergebnisse zum Raumnutzungsverhalten der besenderten Vögel.

Was steuert den Bruterfolg beim Rotmilan?

Neue Ergebnisse aus dem Projekt in DER FALKE

Unter Koordination des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) ist ein großes Team von Rotmilanexpertinnen und -experten aus ganz Deutschland an der wissenschaftlichen Arbeit im Projekt Rotmilan–Land zum Leben beteiligt. In den letzten vier Jahren konnten umfangreiche Daten zum Verhalten und zur Raumnutzung einzelner Rotmilane sowie zu Nahrungsangebot und -verfügbarkeit gesammelt und ausgewertet werden. In Modellierungen zum Bruterfolg sind Daten von 603 Bruten und der Landnutzung in einem 2-km-Radius um das jeweilige Nest eingeflossen. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift DER FALKE 06/2018 veröffentlicht.

Folgende Faktoren beeinflussen den Bruterfolg:

1. Der Anteil dörflicher Siedlungen
Je höher der Anteil dörflicher Siedlungsfläche im Nestumfeld einzelner Milane ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Brut.

Unsere Untersuchungen mit besenderten Rotmilanen bestätigen, dass immer mehr Rotmilane auf der Nahrungssuche dörfliche Siedlungen anfliegen. Aus Videoaufnahmen mit Nestkameras wissen wir, dass die Vögel hier vor allem Singvögel erbeuten. Bei Rotmilanen, die im Grünland ihre Nahrung suchen, dominieren hingegen Kleinsäuger das Beutespektrum.

2. Die zur Brutzeit herrschende Witterung
Erhöhter Niederschlag an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen kann zu Brutverlusten führen.

3. Die landwirtschaftliche Nutzung
Das Vorhandensein von Grünland hat einen stark positiven Einfluss auf den Bruterfolg, auch Feldfutterflächen zeigen einen positiven Effekt.

Auf extensivem Grünland, Feldfutterflächen, Brachen oder Blühstreifen (Maßnahmenflächen) sind mehr Beutetiere (Kleinsäuger und Singvögel) vorhanden als auf Wintergetreide und intensivem Grünland (Kontrollflächen).

Der Mahdzeitpunkt ist entscheidend: Während der Mahd waren sowohl Feldfutter und extensives Grünland als auch intensives Grünland für Rotmilane attraktiv, da die dort bei der Bearbeitung getöteten Kleinsäuger eine leichte Beute darstellen. Rotmilane nutzten diese Flächen am Tag der Mahd im Mittel 10- bis 20-mal öfter als Flächen ohne Bearbeitung.

 4. Die Vielfalt der Landschaft und Nahrungsverfügbarkeit im Nestumfeld
Rotmilanbruten in einem Nestumfeld, das sich durch eine geringere Vegetationsdeckung auf den Nutzflächen, eine hohe Anbauvielfalt sowie einen großen Anteil an Blühflächen und Brachen auszeichnet, haben deutlich häufiger zwei oder mehr flügge Jungvögel.

Rotmilan–Land zum Leben beim Bundesamt für Naturschutz

Diese Woche wurden DVL, DDA und DeWiSt vom Bundesamt für Naturschutz eingeladen, im Rahmen eines Kolloquiums den Mitarbeitenden das Projekt Rotmilan – Land zum Leben mit ersten Ergebnissen nach 4 Jahren Projektlaufzeit vorzustellen. Mit über 50 Interessenten war die Veranstaltung sehr gut besucht und es herrschte ein reger Austausch untereinander. Bernd Blümlein, stellv. Geschäftsführer des DVL, begann mit einer Einführung in das Projekt bevor Jakob Katzenberger vom DDA die wissenschaftlichen Ergebnisse vorstellte. Weiter ging es mit einem Vortrag von Uwe Lerch, dem fachlichen Koordinator, über die Akzeptanz und Kritik von rotmilanfördernden Agrarumweltmaßnahmen bei Landwirten sowie unsere daraus abgeleitete Forderungen für einen besseren Rotmilanschutz, die wir nun im Zuge der Umgestaltung der EU-Agrarpolitik an die Länder herantragen werden. Am Ende präsentierte Svenja Ganteför von der Deutschen Wildtier Stiftung die bundesweite Öffentlichkeitsarbeit im Projekt.

Ihr Einsatz hilft dem Rotmilan: Unsere ausgezeichneten Landwirte/innen in der Presse

Seit 2017 zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben einmal pro Jahr Land- und Forstbetriebe, Waldeigentümer, Kommunen oder Landkreise aus, die sich mit besonderen Leistungen zum Schutz des Rotmilans einsetzen. Für 2017  fiel die Auswahl auf sechs Landwirtschaftsbetriebe und einen Forstbetrieb in fünf Bundesländern. Folgende Betriebe haben bereits pressewirksam ihre Urkunde erhalten:

Die Agrargenossenschaft Hohenroda eG aus Sachsen in der Leipziger Volkzeitung und der Bauernzeitung:
Ausschlagend für die Auszeichnung des nordsächsischen Betriebs waren neben der langjährigen, engen Zusammenarbeit mit dem LPV Nordwestsachsen insbesondere zwei konkrete Maßnahmen: weitreichende Heckenpflanzungen auf den betriebseigenen Liegenschaften sowie der gezielte Luzerneanbau. „Die Heckenpflanzungen betreiben wir bereits seit vielen Jahren. Einerseits sehen wir dies als unseren natürlichen Beitrag zum Naturschutz, gleichzeitig ist es eine hilfreiche Maßnahme zur Flächeneingrenzung“, erklärt Reihe. Die dichten Pflanzenstreifen dienen jedoch nicht allein dem Erhalt des bedrohten Greifvogels, sondern allen wildlebenden Tieren im Umfeld entweder als Unterschlupf oder Jagdrevier, betont der Geschäftsführer: „Der Naturschutz ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und so versuchen wir im Arbeitsalltag, soweit es geht darauf Rücksicht zu nehmen.“ (Mehr)

Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH aus Sachsen in der Lausitzer Rundschau:
„Für uns gehört der Rotmilan einfach zu einer intakten Kulturlandschaft dazu. Wir freuen uns, wenn wir zu seinem Schutz beitragen können“, so Geschäftsführer Matej Koreng. (Mehr).
Die Luzica – Milch und Rindfleisch GmbH zeichnet sich durch eine naturschutzorientierte Betriebsführung aus und setzt eine Reihe von Agrarumweltmaßnahmen um. Im Fokus steht der Luzerneanbau, aber auch ein angepasstes Mahdregime und einjährige Brachen werden zugunsten des Rotmilans umsetzt.

Heinrich Klingelhöfer und der Bouws Hof  aus Niedersachsen in der HNA Mündener Allgemeine, der LAND & Forst vom 12.4.2018 und im HarzKurier vom 11.4.2018:
Heinrich Klingelhöfer ist der Pionier der Rotmilanmaßnahme in Niedersachsen! Er hat maßgeblich an der Entwicklung der speziellen Agrarumweltmaßnahme für den Rotmilan in Niedersachsen beigetragen und seine wertvolle Pionierarbeit ist auch bis heute beispielgebend für viele andere Betriebe.

Der Bouws Hof bewirtschaftet einen Biobetrieb mit Pferde- und einer kleinen Mutterkuhhaltung und engagiert sich seit vielen Jahren für eine besonders umweltgerechte Bewirtschaftung der Flächen. Die komplette Betriebsfläche ist den Agrarumweltmaßnahmen und damit dem Naturschutz gewidmet. Dr. Heidi und Wilfried Bouws erzeugen Qualitätsheu aus mehrjährigem Feldfutter und sind damit ein Vorbild für andere Pferdehalter in der Region. (Mehr).

Das Projekt Rotmilan – Land zum Leben in BERGISCH LAND & LEUTE

Unser Praxispartner aus NRW in einem Interview der Zeitschrift Bergisch Land & Leute. Florian Schöllnhammer beantwortet Fragen wie „Ist das Bergische Land ein gutes Zuhause für die wunderschönen Greifvögel? Wo haben Rotmilane ihre Reviere und Nester? Kommt es zu Konflikten mit den Interessen der Waldbewirtschafter?“ Mit einem Klick auf das Bild geht es zum Artikel.

 

Tag des Bieres 2018: Brauen für den Rotmilan

Ein Festbier „Roter Milan“ zugunsten des Greifvogels

Der Verein zur Förderung der Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien feierte am Montag, den 23. April 2018 den 502. Jahrestag des Deutschen Reinheitsgebotes. Anlässlich dieses Jahrestages wurde von den 18 Mitgliedern des Vereins ein Rotbier namens “Roter Milan” eingebraut. Der Erlös durch den Bierverkauf geht an den Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide, unseren Projektpartner in Brandenburg, und wird für Schutzmaßnahmen vor Ort eingesetzt. Wir bedanken uns sehr herzlich bei Jörg Kirchhoff und dem Verein zur Förderung der Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien für diese Unterstützung!

Passend zum Rotmilan, dem Wappenvogel des Vereins, wurden rund 700 Liter Rotbier in der historischen Brauanlage von 1834 im Erlebnispark Paaren im Glien mit Muskelkraft und Holzfeuerung eingebraut.  Per Hand wurde das Brauwasser nach dem Kochen in den Maischbottich gepumpt. Zusammen mit dem Brandenburger Innenminister Karl-Heinz Schrödter und dem Bierbotschafter Axel Schulz wurden Hopfen und Malz dazu gegeben, um die Zutaten mit dem Brauwasser zu verrühren. Als Besonderheit wurde Brandenburger Bio-Hopfen aus Jüterbog verwendet. Jan Noack vom LPV Uckermark-Schorfheide stellte in einem Vortrag das Projekt Rotmilan – Land zum Leben und seine Arbeit in der Praxisregion Brandenburg vor.

Das Bier wird nach 5-wöchiger Lagerung tatsächlich eine rote Färbung haben, die durch die rötliche Farbe des verwendeten Malzes entsteht. Kaufen und verkosten kann man das Rotmilanbier dann im Erlebnispark Paaren im Glien.

 

Rotmilan-Trupp am Schlafplatz

Rotmilan-Schlafplatzzählung etabliert sich in Deutschland

Am 6. und 7. Januar 2018 fand, wie jedes Jahr am ersten Januar-Wochenende, die internationale Zählung überwinternder Rotmilane statt. In Frankreich, Spanien und der Schweiz werden Rotmilane bereits seit 2007 an ihren Schlafplätzen gezählt. Seit dem Winter 2015/2016 beteiligt sich auch Deutschland an den Zählungen, wobei die ersten beiden Winter vor allem dazu dienten, die Beobachterinnen und Beobachter für Rotmilan-Schlafplätze zu sensibilisieren und diese zu finden. Das zahlte sich nun aus: Dank des Engagements der Koordinatorinnen und Koordinatoren wurde die bislang beste Abdeckung erreicht und gleichzeitig – unterstützt durch die milde Witterung – die höchste Anzahl überwinternder Rotmilane dokumentiert. Wie in den Vorwintern zeigen sich deutlich zwei Schwerpunkte der Winterverbreitung in Mitteldeutschland und im südlichen Baden-Württemberg.

Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift DER FALKE 04/2018 veröffentlicht:

Die meisten der in Deutschland brütenden Rotmilane ziehen im Herbst in den Süden und überwintern in Spanien, Südfrankreich oder Portugal. Der Zug in die wärmeren Winterquartiere beginnt Ende August und kann bis in den November hinein andauern. Die Hauptzugzeit ist von Mitte September bis Mitte Oktober, hängt aber immer auch von den jeweiligen Wetterverhältnissen vor Ort ab und kann daher stark variieren. Doch immer mehr Rotmilane bleiben in der Nähe ihrer Brutgebiete und verbringen den Winter über in Mitteleuropa. Die Überwinterung scheint abhängig von Witterungsverhältnissen und Nahrungsangebot (Mäusedichte) zu sein. In Deutschland sind das nordöstliche Harzvorland und das Thüringer Becken sowie der Südwesten die wichtigsten Überwinterungsregionen für Rotmilane.