Beratung stärken!

Der Rückgang der Biodiversität in der Agrarlandschaft ist besorgniserregend. Um diesem Trend entgegenzuwirken, benötigen landwirtschaftliche Betriebe praxisnahe Unterstützung. Wie jüngst veröffentlichte Studienergebnisse belegen, ist eine Biodiversitätsberatung ein unverzichtbares Instrument, um mehr Naturschutz in der Landwirtschaft zu garantieren.

Die im Auftrag des DVL vom Thünen-Institut veröffentlichten Studie stellt heraus, dass, neben einer guten Beratung, geeignete Förderprogramme die entscheidende Voraussetzung sind, um Naturschutzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen zu ermöglichen. Diese verbinden die betriebliche Sicht der Landwirtinnen und Landwirte mit wirksamen Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig honorieren sie den damit verbundenen Mehraufwand der Landwirtschaft. Wichtig ist außerdem die langfristige Konstanz und Verlässlichkeit im Beratungsangebot.

„Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik muss genutzt werden, um das Agrarbudget deutlich mehr in Richtung Natur- und Artenschutz auf Wiesen und Äckern zu bewegen. Die Förderung der Biodiversitätsberatung muss darin langfristig angelegt und konstant angeboten werden!““, erklärt Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL. „Nur durch eine ausreichende Mittelausstattung ist eine flächendeckende, qualitative Beratung möglich!“

Die Thünen-Studie basiert auf dem vom DVL initiierten Verbundprojekt Rotmilan – Land zum Leben. In neun Modellregionen in sieben Bundesländern wurden betriebsspezifische Beratungen zu rotmilanfreundliche Maßnahmen durchgeführt. Das Thünen-Institut hat über 880 Beratungen evaluiert. Um auch langfristig zur Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen motiviert zu sein, ist es für Betriebe zentral, über deren Effekte informiert zu werden. Die Beratung wurde von den Landwirtinnen und Landwirten sehr positiv bewertet. Sie sei ein „gutes Bindeglied zwischen Grün und Landwirtschaft“, lobte ein befragter Landwirt.

Ein großer DANK an alle rotmilanfreundlichen Betriebe! Denn Rotmilanschutz geht nicht ohne die Landnutzenden

Das Projekt Rotmilan – Land zum Leben ist nun schon in seinem letzten Projektjahr und bedankt sich herzlichst bei allen Landwirtinnen und Landwirten, Försterinnen und Förstern sowie weiteren Landnutzern, die sich im Rahmen des Projekts für den Schutz des Rotmilans eingesetzt haben!

Sie haben mit ihrer angepassten Bewirtschaftung auf den Feldern und dem Einrichten von Nestschutzzonen in den Wäldern und Gehölzen sowie dem Schutz von Brutbäumen ganz entscheidend dazu beigetragen, dass der Rotmilan mehr Land zum Leben findet.

Es ist nicht immer einfach, Naturschutz und Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen. Anträge, die einen (zu) hohen bürokratischen Aufwand verursachen, sowie Probleme, die bei der Umsetzung von Maßnahmen und bei Kontrollen auftreten, führen oft zu mangelnder Akzeptanz und fordern das Durchhaltevermögen heraus. Daher schätzen wir es sehr, dass so viele Betriebe, die im Rahmen des Projekts beraten wurden, nicht aufgegeben haben, sondern dran geblieben sind!

Ein „guter Draht“ zu den Praxispartnern, den Beraterinnen und Beratern, war dabei sicherlich ausschlaggebend. Nur in einer vertrauensvollen und langfristigen Zusammenarbeit auf Augenhöhe können Naturschutzmaßnahmen gemeinsam gestaltet werden. Aber auch die finanzielle Ausstattung zur Maßnahmenumsetzung ist für eine effektive Beratung wichtig. Diese ist in vielen Bundesländern nicht (ausreichend) vorhanden, weshalb wir uns besonders bei den Betrieben bedanken, die Maßnahmen freiwillig und ohne Ausgleichszahlungen umgesetzt haben!

 

Rückblick

Das Projekt startete im Herbst 2013 mit dem Ziel, in neun Projektgebieten in sieben Bundesländern Maßnahmen für den Rotmilan umzusetzen. Der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, denn der Rotmilan ist ein sogenannter „Offenlandjäger“, der insbesondere Grünland-, Mahd- und Ernteflächen sowie Brachen zur Nahrungssuche nutzt. Die Zeit der Jungenaufzucht (Mai bis Juli) scheint hier bezüglich der Nahrungsversorgung besonders kritisch zu sein, denn Kleinsäuger in Maisäckern oder dicht bestandenen Getreide- und Rapsfelder sind für den Rotmilan praktisch nicht erreichbar.

Sie und viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen haben sogenannte rotmilanfreundliche Maßnahmen auf ihren Flächen umgesetzt. Passgenauigkeit in Ihre Betriebsabläufe ist hier ein sehr wichtiges Kriterium und wir sind im intensiven Austausch mit den zuständigen Behörden, um eine bessere Ausgestaltung der Agrarumweltmaßnahmen in Ihrem und im Sinne des Rotmilans zu erreichen.

 

Zusammenfassung der rotmilanfreundlichen Maßnahmen:

  • Anbau mehrjähriges Feldfutter wie Luzerne, Klee und Ackergras und deren greifvogelgerechte Bewirtschaftung (mindestens zweimalige Schnittnutzung von Mai bis Anfang Juli)
  • Anlage von Strukturelemente wie Buntbrachen, Schwarzbrachen, Grünstreifen, und mehrjährige Blühflächen/Blühstreifen
  • Umsetzung artenreicher Fruchtfolgen (mindestens 5 Kulturen, davon einmal kleinkörnige Leguminosen wie Klee, Luzerne, Klee-Gras-Gemische bei mindestens zweimalige Schnittnutzung mit Biomasseentzug zwischen Mai und Juli
  • Aufrechterhaltung der Grünlandbewirtschaftung durch Mehrfachschnittnutzung (alternativ Portionsweide) auf Wirtschaftsgrünland
  • extensive Grünlandbewirtschaftung durch Mahd und Beweidung auf naturschutzfachlich wertvollem Grünland
  • biotoptypenegerechte Bewirtschaftung der naturschutzfachlich wertvollen Dauergrünländer, insbesondere aller Grünlandähnlichen Kulturbiotope, die Lebensraumtypen darstellen

Eine unserer Ansicht nach besonders effektive Maßnahme zur Verbesserung des Nahrungsangebotes und der Nahrungsverfügbarkeit ist zum Beispiel der Anbau und die intensive Nutzung von Luzerne als mehrjährige Feldfutterpflanze. Mehrfachnutzung und geringe Vegetationshöhen nach der Ernte stellen sicher, dass Rotmilane die auf den Luzernefeldern lebenden Kleinsäuger erbeuten können – bzw. profitieren sie natürlich auch von den durch den Mahdvorgang getöteten Kleinsäugern, die sie oft schon während des Mähvorgangs gezielt suchen. Viele von Ihnen berichteten, dass sich die Luzerne insbesondere im Trockenjahr 2018 sehr bewährt hat. Durch ihre tiefen Wurzeln waren diese Flächen oft noch das einzige Grün in einer vertrockneten Feldflur. Um eine langfristig stabile Nahrungsverfügbarkeit zu erreichen, sind aber Rückzugsräume für Kleinsäuger wie Brachen, Blühflächen oder Schonstreifen auch sehr wichtig – und diese dienen gleichzeitig einer Vielzahl an weiteren Arten wie Singvögeln oder Insekten der Feldflur als Nahrungs- und Brutrevier.

 

Was wurde nun deutschlandweit in diesen sechs Projektjahren erreicht?

Auf 224.000 Hektar Kulturlandschaft wurden bisher 1.500 Rotmilanbruten dokumentiert und begleitet. In rund 4.000 Beratungen haben die Partner vor Ort Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, Kommunen und Fachbehörden zum praktischen Rotmilanschutz beraten. Dabei wurden jährlich durchschnittlich 13.000 Hektar rotmilanfreundlich bewirtschaftet. Zum Schutz der Nestbäume und Bruthabitate wurden insgesamt 1.300 Maßnahmen umgesetzt. An 435 Nestbäumen wurden Manschetten zum Schutz vor Nesträubern angebracht. Rund 870 Einzelmaßnahmen für störungsfreie Bruten, z.B. durch zeitliche Verschiebung forstwirtschaftlicher Aktivitäten oder dem Einrichten von Nestschutzzonen, wurden durchgeführt.

 

Was Ihnen durch Ihre Erfahrungen mit dem Rotmilan aus der täglichen Praxis vielleicht schon bekannt ist, wurde auch durch die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen belegt:

Rotmilane nutzen Flächen während und bis zu drei Tage nach der Mahd besonders intensiv, um Nahrungstiere zu erbeuten. Die Häufigkeit von Kleinsäugern auf den Flächen variierte von Jahr zu Jahr deutlich. Es konnte jedoch festgestellt werden, dass auf den Massnahmenflächen deutlich mehr Kleinsäuger vorkommen, als auf den Kontrollflächen. Jungvögel verschiedener Singvogelarten sind auch eine wichtige Nahrungsgrundlage für den Rotmilan. Auch hier zeigte sich, dass auf den Maßnahmenflächen – insbesondere auf Flächen mehrjähriger Brachen – eine viel höhere Dichte von brütenden und /oder nahrungssuchenden Singvögeln festzustellen war, als auf den Kontrollflächen. Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse.

Welchen Effekt die Maßnahmen auf den Rotmilanbestand insgesamt haben, lässt sich trotz aller Untersuchungen nur schwer abschätzen. Dafür spielen noch zu viele weitere Faktoren wie beispielsweise menschengemachte und natürliche Sterblichkeit, Zu- und Abwanderung, eine Rolle. Für die im Projekt beratenen Maßnahmen lässt sich aber sagen, dass sie den Rotmilanen in Ihrer Region und mit ihm vielen weiteren Arten nutzen. Ihr Beitrag hilft dem Rotmilan!

 

Das gesamte Projektteam bedankt sich bei Ihnen und wünscht Ihnen und „Ihren“ lokalen Rotmilanen ein gutes Miteinander auch in der Zukunft!

Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL): Gesamtkoordination

Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V. (DDA): wissenschaftliches Monitoring

Deutsche Wildtier Stiftung: Öffentlichkeitsarbeit

Biologische Station Rhein-Berg: Praxisregion Nordrhein-Westfalen

Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V.: Praxisregion Niedersachsen

Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V.: Praxisregion Thüringen

Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e.V. und Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz e.V.: Praxisregionen Sachsen

Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide e.V.: Praxisregion Brandenburg

Landschaftspflegeverbände Sternberger Endmoränengebiet e.V. und Mecklenburger Endmoräne e.V.: Praxisregionen Mecklenburg-Vorpommern

Schrobach Stiftung: Praxisregion Schleswig-Holstein

 

 

Vorträge und Fotos der Abschlusstagung online

Eine kurze Zusammenfassung der Abschlusstagung sowie Fotos und die Vorträge zum Download finden Sie hier und unter Downloads.

Anfang 2020 wird ein Tagungsband veröffentlicht, der allen Teilnehmenden der Tagung zugeschickt wird und nach Bekanntgabe unter info@dewist.de kostenlos bestellt werden kann.

 

Ausgezeichnete Land- und Forstwirtschaft 2019

Seit 2017 zeichnet das Projekt Rotmilan – Land zum Leben Land- und Forstwirtschaftsbetriebe aus, die sich ganz besonders für den Rotmilan einsetzen. Zu den Bewertungskriterien zählten neben der Umsetzung von konkreten Maßnahmen auch Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft in der Zusammenarbeit mit den Praxispartnern.

In allen drei Bereichen konnten in diesem Jahr insgesamt acht Betriebe mehr als überzeugend punkten und sechs Betriebe wurden im Rahmen unserer Abschlusstagung feierlich ausgezeichnet. Die Urkunden wurden von Rita Schwarzelühr-Sutter, der Parlamentarischen Staatssekretärin aus dem Bundesumweltministerium, übergeben:

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Denis Schmahl, Niedersachsen: Laudatio

v.l.n.r.: Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Denis Schmahl (Preisträger), Frauke Helms & Ute Grothey (LPV Landkreis Göttingen) © DeWiSt/Mo Camara.

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Erzeuger-Genossenschaft Neumark eG, Thüringen: Laudatio

v.l.n.r.: Ute Grothey (stellv. Vorsitzende DVL), Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Steffen Steinbrück (Preisträger), Jana Apel (LPV Mittelthüringen), Thomas Pfeiffer © DeWiSt/Mo Camara.

Presse:
Thüringer Allgemeine – Rotmilan-Zertifikat für Neumarker Genossenschaft (25.10.2019)

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Wassergut Canitz GmbH, Leipzig: Laudatio

v.l.n.r.: Ute Grothey (stellv. Vorsitzende DVL), Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Caroline Golatowski & Bernd Röhrborn (Preisträger), Julia Pöschel & Heike Weidt (LPV Nordwestsachsen) © DeWiSt/Mo Camara.

Ausgezeichnete Forstwirtschaft: Forstbezirk Oberlausitz des Staatsbetriebs Sachsenforst: Laudatio

v.l.n.r.: Ute Grothey (stellv. Vorsitzende DVL), Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Fabian Stubenrauch (Preisträger), Karolin Eils & Dr. Winfried Nachtigall (Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz) © DeWiSt/Mo Camara.

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Großdrebnitzer Agrarbetriebsgesellschaft mbH, Sachsen: Laudatio

v.l.n.r.: Ute Grothey (stellv. Vorsitzende DVL), Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Patrick Marquardt & Sylvio Hensel (Preisträger), Karolin Eils & Dr. Winfried Nachtigall (Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz) © DeWiSt/Mo Camara.

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Lämmerhof, Schleswig-Holstein: Laudatio

v.l.n.r.: Ute Grothey (stellv. Vorsitzende DVL), Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin BMU), Detlef Hack (Preisträger), Dr. Cordelia Wiebe (Schrobach Stiftung) © DeWiSt/Mo Camara.

 

 

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Pflanzenbau Betrieb Ankershagen GmbH, Mecklenburg-Vorpommern

Die Pflanzenbau Betrieb Ankershagen GmbH kooperiert seit vier Jahren eng mit dem LPV Mecklenburger Endmoräne und ist dem Projekt sehr aufgeschlossen. Der Landwirtschaftsbetrieb bearbeitet in konventioneller Bewirtschaftung 1440 ha Gesamtfläche, zum Großteil als Ackerland, aber auch als Grünland mit 400 Mutterkühen. Der Betrieb versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten, Maßnahmen zur rotmilanfreundlichen Bewirtschaftung durchzuführen – nicht zuletzt, weil der Natur- und Artenschutz dem verantwortlichen Pflanzbauleiter Mirko Radloff sehr am Herzen liegt. Seit sieben Jahren werden 130 ha Ackergras, Klee-Luzerne und Luzerne im 3-jährigen Wechsel angebaut. Neben großflächigen Brachen und Bienenweiden wird auf der gesamten Betriebsfläche auf Rodentizide verzichtet.

Die Herangehensweise von Mirko Radloff, an die Herausforderungen einer rotmilanfreundlichen Bewirtschaftung ist immer sehr konstruktiv und zielführend. Bei Absprachen handelt er überaus zuverlässig und eigenverantwortlich. Sogar für einen Radiobeitrag im NDR 1 MV über das Rotmilanprojekt hat der Pflanzbauleiter aktiv mitgewirkt. Auch durch seine Mitgliedschaft im Jagd- und Imkerverein ist Mirko Radlof ein wichtiger Multiplikator. Darüber hinaus ist er in der lokalen Politik gut vernetzt und pflegt engen Kontakt zum regionalen Bauernverband, zu Behörden und Ämtern sowie der Gemeindevertretung und dem Bürgermeister.

Ausgezeichnete Landwirtschaft: Agrar GmbH Parstein/Bölkendorf

Die Agrar GmbH Parstein/Bölkendorf ist ein Milchviehbetrieb, der mit dem LPV Uckermark-Schorfheide zusammenarbeitet. Seine rotmilanfreundliche Wirtschaftsweise setzt der Betrieb vor allem durch seinen Luzerneanbau um. So schafft er Nahrungsflächen für den Rotmilan und nutzt die Luzerne als Futter für die Milchkühe. Bereits vor dem Projekt hat die Agrar GmbH rund 120 ha Luzerne angebaut und die Greening-Verpflichtungen komplett über den Anbau von Zwischenfrüchten erfüllt. Nachdem der Luzerneanbau für ein paar Jahre runter geschraubt wurde, begann der Betrieb nach der Beratung durch den LPV Uckermark-Schorfheide 2017 wieder mit einem großflächigen Anbau, der auch in 2019 weitergeführt wurde.

Die Agrar GmbH Parstein/Bölkendorf setzt in Eigeninitiative Naturschutzprojekte um und finanziert diese zum Teil aus eigenen Mitteln. So wurden 2016 eine 145 m lange Hecken mit einheimischen Gehölzen gepflanzt und in diesem Jahr 2 ha sensibles Grünland durch Entbuschung wiederhergestellt. Im Vorfeld hatte der Betrieb bereits durch Eigeninitiative 1 ha aus eigenen Mitteln wieder freigestellt. In der Zusammenarbeit ist die Agrar GmbH Parstein/Bölkendorf ein zuverlässiger Partner, der jederzeit erreichbar ist und sich an Absprachen hält.

 

 

 

Erfolgreich ackern für den Rotmilan: Mit Naturschutzberatung und passgenauen Förderprogrammen

Das Projekt Rotmilan – Land zum Leben hat gestern im Rahmen seiner Abschlusstagung Empfehlungen an die Agrarpolitik gegeben, damit Maßnahmen zum Schutz des Rotmilans bei der aktuellen Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik stärker berücksichtigt werden. Den rund 150 Teilnehmenden aus Politik, Verbänden und Naturschutz wurden Ergebnisse und Erfahrungen aus sechs Jahren Projektlaufzeit präsentiert. Die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Rita Schwarzelühr-Sutter, zeichnete sechs Land- und Forstwirtschaftsbetriebe für ihre besonders rotmilanfreundliche Wirtschaftsweise aus.
„Da mehr als die Hälfte der gesamten Weltpopulation des Rotmilans in Deutschland brütet, ist unsere Verantwortung für den Schutz der Art besonders groß. Deshalb fördert das Bundesumweltministerium das Projekt Rotmilan – Land zum Leben mit insgesamt 5,6 Mio. Euro aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Mit Erfolg: das Projekt hat gezeigt, dass eine für den Rotmilan förderliche landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung gemeinsam mit den Landwirten und Landwirtinnen machbar ist“, so die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter in ihrem Grußwort.
 
In dem großen Verbundprojekt haben sich der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), die Deutsche Wildtier Stiftung und neun regionale Partner zum Schutz des Rotmilans zusammengeschlossen, um die Nahrungsverfügbarkeit auf landwirtschaftlichen Flächen und die Brutbedingungen in Wäldern zu verbessern. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert.
 
„Um Rotmilanen in intensiv genutzten Agrarlandschaften ein stabiles Nahrungsangebot und eine gute Nahrungsverfügbarkeit zu gewährleisten, ist eine Vielfalt aus unterschiedlichen Kulturen, der Anbau von mehrjährigem Feldfutter und die extensive Bewirtschaftung von Grünland essentiell“, erklärt Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL. Unterschiedliche Erntezeitpunkte sorgen dafür, dass den Greifvögeln zur Brutzeit nicht nur mehr Nahrung zur Verfügung steht, sondern diese auf den abgeernteten Flächen auch gut erreicht werden kann. „Aber auch die Anlage von mehrjährigen Brachen, Hecken und Blühstreifen als Refugien für Kleinsäuger- und Feldvögel, die Beutetiere des Rotmilans, sind von wesentlicher Bedeutung und bieten vielen weiteren Arten Lebensraum“, ergänzt Metzner.
 
In neun Modellregionen in sieben Bundesländern wurden Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, Kommunen und Fachbehörden in rund 4.000 Gesprächen zu zielführenden Agrarumweltmaßnahmen beraten. Die persönliche Beratung sowie eine vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit zwischen Beratenden und Landnutzenden sind ein wichtiges Instrument für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in der Agrarlandschaft.  Mit Hilfe von geeigneten Agrarumwelt-, Klima- und Greening-Maßnahmen wurden im Projekt durchschnittlich 13.000 Hektar Nahrungsflächen pro Jahr rotmilanfreundlich bewirtschaftet. Zum Schutz der Nestbäume und Bruthabitate wurden rund 1.300 Maßnahmen umgesetzt.
Entscheidend ist, dass passgenaue Förderprogramme zur Umsetzung dieser Maßnahmen zur Verfügung stehen, die in den Betriebsablauf integriert werden können und den oft damit verbundenen Mehraufwand für die Landbewirtschaftenden honorieren. Dass es gelingen kann, mit geeigneten Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen den Rotmilan in intensiv genutzten Agrarlandschaften zu fördern, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DDA mit modernsten Techniken der Feldforschung evaluiert und nachgewiesen. Die Maßnahmenflächen (Mahdflächen, mehrjährige Brachen, Blühflächen und Randstrukturen) werden von den Rotmilanen zur Nahrungssuche ganz klar bevorzugt. Um den Bruterfolg sowie die Anzahl flügger Jungvögel zu erhöhen, müssen die Maßnahmen allerdings großflächig umgesetzt werden.
 
Für die Gestaltung der Agrarumweltmaßnahmen sind die Bundesländer zuständig, doch trotz der großen Verantwortung bieten nicht alle Bundesländer geeignete Programme zum Schutz des Rotmilans an. „Da besteht noch großer Handlungsbedarf, aber mit unseren Ergebnissen aus sechs Jahren Projektlaufzeit geben wir den Ländern konkrete Empfehlungen an die Hand“, so Metzner. Die nächste Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik muss genutzt werden, um das gewaltige Agrarbudget deutlich mehr in Richtung des Natur- und Artenschutzes auf Grünland- und Ackerstandorten zu bewegen. Nur dann können passgenaue Förderprogramme finanziert werden, mit deren Hilfe Schutzmaßnahmen für den Rotmilan großflächig umgesetzt werden können und von denen auch viele weitere Arten der Agrarlandschaft profitieren.

 

Rotmilan © piclease/E. Thielscher

Aktuelles aus der Rotmilanforschung in Deutschland

Der ausschließlich in Europa vorkommende Rotmilan hat seinen wichtigsten Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland. Etwa die Hälfte der weltweiten Population brütet hierzulande, weshalb wir für den Schutz der Art eine besonders große Verantwortung tragen. Die besondere Schutzwürdigkeit rückt den Rotmilan schon lange in den Mittelpunkt von Planungspraxis und Naturschutz. In Deutschland, der Schweiz und Österreich beschäftigen sich daher viele Arbeitsgruppen, Naturschutzverbände, Institutionen und Privatpersonen mit dem Rotmilan und erarbeiten, meist auf regionaler Ebene, neue Erkenntnisse über die Biologie und Ökologie dieser charakteristischen Greifvogelart.

Wie vielfältig die Rotmilan-Forschung in Deutschland ist, macht die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift DIE VOGELWELT deutlich. Ein Themenheft zum Rotmilan stellt viele der momentan laufenden Forschungsarbeiten vor, u.a. die Evaluation der Maßnahmen zur Verbesserung des Nahrungsangebotes für den Rotmilan in intensiv genutzten Agrarlandschaften, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten im Projekt Rotmilan – Land zum Leben durchgeführt hat.

Kurzportraits der einzelnen Artikel mit den wichtigsten Ergebnissen finden Sie von uns zusammengefasst in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift DER FALKE.

Das Themenheft Rotmilan der Zeitschrift DIE VOGELWELT können Sie bestellen unter:

AULA-Verlag GmbH
Redaktion Vogelwelt
Industriepark 3
56291 Wiebelsheim
vogelwelt@aula-verlag.de
www.vogelwelt.com

 

Abschlusstagung Rotmilan – Land zum Leben am 22. Oktober 2019 in Berlin

Am 22. Oktober lädt das Projekt Rotmilan – Land zum Leben interessierte Menschen aus Naturschutz, Landwirtschaft sowie Verwaltung und Ministerien zu seiner Abschlussveranstaltung nach Berlin ein!

Nach sechs Projektjahren werden die Ergebnisse und Erfahrungen sowie daraus resultierende Empfehlungen an die Agrarpolitik vorgestellt. Das Projekt Rotmilan – Land zum Leben ist ein bundesweites Vorhaben zum Erhalt des Rotmilans und zur Verbesserung seiner Lebensbedingungen, das seit 2013 und noch bis März 2020 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt läuft.

Hier finden Sie das Programm als pdf.

Kerninhalt des Projekts sind die naturschutzfachliche Beratung und intensive Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft, um die Nahrungsverfügbarkeit insbesondere während der Phase der Jungenaufzucht für den Rotmilan auf landwirtschaftlichen Flächen und die Brutbedingungen in Wäldern und Gehölzen zu verbessern.

In neun Regionen in sieben Bundesländern wurden Schutzmaßnahmen in erster Linie auf Grundlage von bestehenden Agrarumwelt- und Greeningmaßnahmen umgesetzt. Ob die umgesetzten Maßnahmen erfolgreich sind und die Nahrungsverfügbarkeit für den Rotmilan verbessern, hat der Dachverband Deutscher Avifaunisten im Projekt untersucht. Zusätzlich wurde die Beratung der Landnutzenden vom Thünen-Institut für Ländliche Räume evaluiert.

Anmeldung

Es gibt noch wenige Plätze, bitte melden Sie sich bis zum 16. Oktober 2019 unter https://www.lpv.de/veranstaltungen/anmeldung.html an.

Teilnahmebeitrag

Die Teilnahme ist kostenlos. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, sie werden nach Eingang der Anmeldung vergeben.

Veranstaltungsort

VKU Forum
Invalidenstraße 91
10115 Berlin
E-Mail: info@vku-forum.de
Tel: 030 58580-580

Anreise und Übernachtung

Auf der folgenden Seite finden Sie einen Hinweis zu vergünstigten Bahntickets, einen Anfahrtsplan sowie eine Liste mit Hotels in der Umgebung des VKU Forums: http://vku-forum.de/lage-kontakt/

 

Wir freuen uns auf eine interessante Abschlussveranstaltung und Ihre Teilnahme!