Zug und Winterquartier

Beim Zug in die Überwinterungsgebiete und zurück legen die Rotmilane oft mehr als 5000km pro Jahr zurück. © Matthias Putze

Die meisten Rotmilane ziehen im Herbst in den Süden und überwintern in Spanien, in Südfrankreich und in Portugal. Sie sind Zugvögel. Der Zug in die wärmeren Winterquartiere beginnt Ende August und kann bis in den November hinein andauern. Die Hauptzugzeit ist von Mitte September bis Mitte Oktober, hängt aber immer auch von den jeweiligen Wetterverhältnissen vor Ort ab und kann daher stark variieren. Die Jungvögel sind die ersten, die in den Süden ziehen; die Altvögel folgen kurze Zeit darauf.

Der Heimzug in die Brutreviere im Frühjahr beginnt schon sehr früh: Im Februar machen sich die ersten Milane wieder auf den Weg; die meisten sind Anfang bis Mitte März in ihren Brutgebieten angekommen und beginnen sofort mit der Balz und besetzen ihr Revier. Bereits Ende März legen sie oft die ersten Eier und beginnen mit der Brut.

Im Projekt Land zum Leben werden in der Nähe von Göttingen Rotmilane mit einem GPS-Sender ausgestattet, um zu erfahren, wo sich die Vögel aufhalten. Den Altvögeln werden winzige, solarbetriebene GPS-Datenlogger wie ein Rucksack übergestreift, die bei gutem Wetter alle fünf Minuten die Position des Vogels aufzeichnen. So lässt sich neben ihren Aufenthaltsorten in den Brutgebieten auch die Zugroute der Rotmilane ermitteln.

Zwei der Rotmilane, die 2014 besendert wurden, haben in Nordwest-Spanien überwintert und sind 2015 wieder in ihrem angestammten Brutgebiet angekommen. Ihre Reise gen Süden starteten sie Ende Oktober/Anfang November 2014 und sie erreichten ihr Überwinterungsgebiet in West-Spanien um den 20. November. Auch im Winterquartier waren sie Nachbarn und hielten sich in nur 30 km Entfernung voneinander unweit der portugiesischen Grenze auf.  Ebenso auf dem Rückweg ins Brutgebiet sind sie recht synchron abgeflogen und haben für den Rückweg 27 bzw. 22 Tage benötigt.

Ein mit einem GPS-Sender ausgestattetes Männchen aus Thüringen überwinterte 2014/2015 in Südfrankreich und benötigte für die Rückreise nur zehn Tage. Bereits Ende Februar 2015 kehrte es in sein Brutgebiet zurück, wo es sich mit „seinem“ Weibchen zusammentat und erfolgreich brütete.

Folgendes Video der Schweizerischen Vogelschutzwarte zeigt den Herbstzug besenderter, einjähriger Rotmilane. Alle Vögel sind 2015 im Schweizer Mittelland (Kanton Freiburg) geboren.

Projekt „Rettet die Roten“ – Untersuchung des Zugverhaltens von Rotmilanen

Hierbei handelt es sich um ein Vorhaben der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. und Naturschutz sowie der Stiftung Hessischer Naturschutz. Fünf Rotmilane wurden im Rahmen des Projektes „Rettet die Roten“ mit Satellitensendern ausgestattet und geben so regelmäßig ihren Aufenthaltsort zu erkennen. Neben vielen Angaben zu Bestand, Trends und Bedrohungen der Gabelweihe kann so der Zug der besenderten Tiere aus Hessen live verfolgt werden. Schon der Probelauf erbrachte viele sehr spannende Ergebnisse, ebenso die Beobachtungen des Projektteams, das den 2012 besenderten Milanen in ihr spanisches Winterquartier nachgereist war. Entstanden ist so eine einmalige Dokumentation des Jahreslebensraums derselben Rotmilane vom Brutplatz in Hessen bis hin zum Winteraufenthalt auf der Iberischen Halbinsel. Nicht umsonst erfolgte die Namensgebung der Sendermilane in Anlehnung an die Hauptpersonen der bekannten Romanserie „Harry Potter“ der englischen Schriftstellerin J.K. Rowling. Auch unsere Rotmilane sind vielen Bedrohungen ausgesetzt und müssen Herausforderungen bestehen. Und vielleicht werden nicht alle an ihre Brutplätze zurückkehren können. Verfolgen Sie Ihren Weg auf http://rotmilane.eu/.

Zur Zugzeit sind Rotmilane sehr gesellige Tiere – hier ein ganzer Trupp in einem Schlafbaum. © Andreas Heiland

Rotmilan Zug zum Winterquartier