Wissenschaft und Forschung

Um das Verhalten und die Bedürfnisse von Rotmilanen besser planen zu können, werden im Projekt Rotmilane mit solarbetriebenen GPS-Loggern ausgestattet. © J. Katzenberger

Telemetrie

Im Projekt Land zum Leben wird das Raumnutzungsverhalten von besenderten Rotmilanen in den Projektgebieten untersucht. Um zu erfahren, welche Gebiete die Tiere nutzen, kommt Hightech zum Einsatz: Den Altvögeln werden winzige, solarbetriebene GPS-Datenlogger wie ein Rucksack übergestreift, die bei gutem Wetter alle fünf Minuten die Position des Vogels aufzeichnen. Die so gewonnenen Informationen zeigen, in welchen Bereichen sich die Vögel aufhalten und ob sie auf Maßnahmenflächen häufiger nach Nahrung suchen als in der Umgebung. Mit der Kombination aus klassischen Geländeuntersuchungen und modernster Technik sind spannende Einblicke in das Leben der Rotmilane möglich. Diese helfen, Schutzmaßnahmen in Zukunft noch effektiver umzusetzen.

Ergebnisse 2014 – 2016

Zwischen 2014 und 2016 konnten insgesamt 26 Rotmilane mit solarbetriebenen GPS-Sendern ausgestattet und so die Flugrouten der einzelnen Vögel aufgezeichnet werden. Die Auswertung der Aufenthaltsräume zeigte, dass die Größe der genutzten Fläche von der jeweils vorhandenen Lebensraumausstattung abhängig ist. Sowohl Männchen als auch Weibchen nutzten eine kleinere Fläche, wenn dort ein höherer Anteil von Dörfern oder Grünland vorhanden war. Wahrscheinlich ist das Nahrungsangebot dort so gut, dass die Größe des Aufenthaltsraumes verringert werden kann. Dies lässt sich auch daraus schließen welche Nahrung bei einzelnen Jagdflügen zum Nest gebracht wurde: Kleinsäuger erbeuteten die Milane hauptsächlich im Grünland, Aas und Fleischreste wurden ebenfalls häufig dort, aber auch in Siedlungen aufgesammelt. Kleinere Vögel wurden besonders o­ft in Siedlungen erbeutet. Insgesamt zeigten die besenderten Milane eine hohe und über die Jahre konstant bleibende Territorialität. Sowohl weibliche als auch männliche Milane nutzten zur Nahrungssuche vor allem Grünland und Siedlungen, wobei mehr Männchen in die Siedlungen flogen als Weibchen. Aber: Rotmilane scheinen ihren eigenen Kopf zu haben. Neben klaren Unterschieden im Verhalten der Vögel von Projektgebiet zu Projektgebiet zeigten sich auch bei den einzelnen Vögeln ganz individuelle Verhaltensweisen.

Abbildung A: Aktionsräume (AR) von zwei im Projekt besenderten Rotmilan-Männchen während der Brutzeit (April bis Juli). Das Grünland im Umfeld der Nistplätze nutzten beide Vögel häufig zur Nahrungssuche, die auch dort in der Nähe liegende Siedlung wurde jedoch hauptsächlich von Männchen 2 beansprucht. Das Männchen 1 wich daher häufig auf die weiter nördlich gelegene Ortschaft aus und zeigte daher auch einen deutlich größeren Aktionsraum.

Die durchgezogenen Linien zeigen das Gebiet, in dem die Vögel mit 50 % Wahrscheinlichkeit anzutreffen waren, die gestrichelten Linien zeigen, wo sie sich mit 95 % Wahrscheinlichkeit aufhielten. Die Nester der Vögel sind durch Rauten markiert. Landnutzungsdaten wurden aufbereitet aus Corine Land Cover (CLC) und OpenStreetMap (OSM).

Abbildung B. Aktionsräume (AR) von zwei im Projekt besenderten Rotmilan-Männchen und einem -Weibchen während der Brutzeit (April bis Juli). Männchen 3 und Weibchen 1 waren verpaart und nutzten beide einen kleinen Grünlandbereich in Nestnähe. Hierbei zeigten die beiden Vögel eine erstaunlich hohe Überlappung ihrer Aktionsräume während der Brutzeit. Angrenzend daran befand sich das Revier von Männchen 4, welches ebenfalls viel Grünland aber auch Siedlungsgebiete ausgiebig beflog.

Nach der Besenderung werden die Vögel unbeschadet in die Freiheit entlassen © J. Katzenberger