Rotmilanfreundliche Landwirtschaft

Eine abwechslungsreiche Agrarlandschaft mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen und Gehölzen bietet dem Rotmilan und vielen anderen Wildtieren einen sehr guten Lebensraum. © Christian Gelpke

Abwechslungsreiche Landschaft © Christian Gelpke

Strukturvielfalt statt Eintönigkeit

Der Rotmilan ist ein sogenannter Nahrungsopportunist, das bedeutet, er nimmt alles an Nahrung auf, was er finden kann. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass er die Beute am häufigsten frisst, an die er am einfachsten herankommt. Als Fleischfresser reicht sein Nahrungsspektrum je nach Jahreszeit und Lebensraum von Insekten, Regenwürmern, Lurchen und Kriechtieren wie zum Beispiel Fröschen und Zauneidechsen über Fische und Kleinsäuger wie Mäuse, Feldhamster und Maulwürfe bis zu Vögeln, Aas und Abfällen.

Als Kulturfolger benötigt er zur Nahrungssuche eine offene Landschaft, die möglichst vielfältig strukturiert ist und über ausreichende Nahrungsflächen verfügt. Bei seinen Nahrungsflügen durchstreift er seinen Lebensraum – nicht selten mehrere Kilometer vom Brutplatz entfernt – und findet auf Wiesen, Weiden, Äckern, Müllhalden, Komposthaufen und -anlagen aber auch an Straßenrändern und an Seeufern geeignete Flächen für seine Nahrung.

Ein stetiger Wechsel von Baumreihen oder Wäldern, an denen die Art brütet, sowie Offenland zur Nahrungssuche zeichnet das Optimalhabitat für viele heimische Greifvögel aus. © Christian Gelpke

Guter Lebensraum © Christian Gelpke

Schutzmaßnahmen für den Rotmilan können vielfältig sein, denn Rotmilane leben von der Vielfalt der Wirbeltiere einer Landschaft. Baumreihen, Hecken, Kleingewässer, Brachen oder Blühstreifen schaffen Lebensraum für Vögel und Kleinsäuger. Auf Weideland lassen sich Maulwürfe erwischen, Klee- und Luzerneflächen z.B. sind reich an Kleinsäugern und während der Mahd natürlich ergiebig: Die Durchführung einer Staffelmahd ist für die Nahrungsverfügbarkeit besonders wirksam. Die meisten dieser genannten Maßnahmen können über Agrarumweltprogramme der Bundesländer gefördert werden und / oder sind für das Greening, die verpflichtende Bereitstellung naturnaher Kulturen durch den Landwirt, anrechenbar. Rotmilanfreundliche Landwirtschaft bedeutet also keinen Einkommensverlust für Landwirtinnen und Landwirte!

Praktische Maßnahmen zum Schutz des Rotmilans

Wie kann dem Rotmilan mehr Land zum Leben geboten werden? Was können Landwirte, Waldbesitzer und andere Flächeneigentümer und –bewirtschafter tun, um unserem heimlichen Wappenvogel unter die Flügel zu greifen?

Das Projekt Land zum Leben hat das Infoheft Praktische Maßnahmen zum Schutz des Rotmilans erstellt sowie einen Praxisratgeber Landwirtschaft zur Beratung landwirtschaftlicher Betriebe veröffentlicht.

Entscheidende Maßnahmen sind:

  • der Anbau vielfältiger Ackerkulturen und deren unterschiedliche Nutzung
  • der weitestgehende Verzicht auf den Einsatz von Rodentiziden. Rodentizide sind chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren, die auf Feldern eingesetzt werden.
  • der Anbau von mehrjährigem Feldfutter wie Luzerne, Ackergras oder Klee
  • der Anbau von Sommerkulturen

Die persönliche Beratung und die vertrauensvolle Kooperation zwischen Beratenden und Landnutzenden erzielen die besten Erfolge für den Naturschutz in der Agrarlandschaft. © C. Mühlhausen

Sommerkulturen statt Winterkulturen

Sommerkulturen werden im Unterschied zu den Winterkulturen erst im Frühjahr, in der Regel ab April, angebaut und bieten dem Rotmilan grundsätzlich günstige Nahrungshabitate. Nach der Aussaat dauert es mehrere Wochen, bis die Sommerkulturen so hoch sind, dass der Rotmilan die auf diesen Flächen lebenden Kleinsäuger nicht mehr erbeuten kann. Ab einer Wuchshöhe von 20 – 25 cm sind seine Beutetiere nahezu unsichtbar für ihn und zu „tief“ in der Anbaukultur verschwunden, so dass der Rotmilan sie nicht mehr greifen kann – seine Beine sind dafür zu kurz.

Wenn die Milane im Februar und März aus ihren Winterquartieren in die Brutgebiete nach Deutschland zurückkehren, sind die Ackerflächen mit Sommerkulturen bis in den Juni hinein wichtige Nahrungshabitate.

Winterkulturen sind problematisch für den Rotmilan. Diese Kulturen, wie z.B. Wintergetreide und Winterraps machen ca. Dreiviertel der jährlichen Anbaufläche in Deutschland aus. Die Winterkulturen haben in den Monaten April und Mai bereits die für Greifvögel kritische Wuchshöhe erreicht und sind daher als Nahrungsflächen ungeeignet.

Der Anbau von Feldfutter ist deshalb besonders wichtig, weil infolge der Nutzung, also dem mehrmaligen Schneiden und der Nutzung als Futtermittel, diese Flächen kurz gehalten werden. Genau in den für die Aufzucht der Jungvögel entscheidenden Monaten Mai bis Juli werden diese Kulturen nutzungsbedingt zwei Mal geschnitten So entstehen kurze Vegetationsflächen mit etwa 10 cm Wuchshöhe, auf denen sich die Kleinsäuger nur sehr schlecht vor den Milanen verstecken können.

Weiterhin sehr wichtig sind eine möglichst große Anzahl von Bracheflächen, also Flächen auf denen bis auf eine Pflegenutzung im Spätsommer keine Bewirtschaftung und vor allem kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgt, so dass diese Flächen nahezu ganzjährig als Nahrungshabitate zur Verfügung stehen.